Du kannst dich glücklich schätzen, dass Gurken (wenn auch aus Bronze und aufwendig patiniert) nichts gemein haben mit den meist affektierenden, überbezahlten Kleiderständer von den Laufstegen dieser Welt, von denen das erste Bild dann geschossen wird, wenn die 150 Perspektiven zuvor in den Bereich Katastrophe verschoben wurden. Gurken sind jedenfalls nicht als schwierig im Umgang, noch hinterlistig während ihrer (Ver)Bearbeitung bekannt. Bitter können sie jedoch werden. Und zwar so bitter, dass es einem sauer aufstoßen kann – sie jemals schlecht behandelt zu haben.
Doch in deinem Fall müsstest du dich vielleicht lediglich erklären, wieso du es mit keiner Einstellung geschafft hast, den Gurken-Verbund als 4er-Pack im Ganzen abzulichten?
Ich hingegen betrachte das Werk und fühle mich zurückversetzt in die dritte Reihe rechts (ganz nahe dem Fenster, durch welches ein öder Blick auf den Schulhof garantiert war) und vernehme die Frage des Lehrers an mich gerichtet: „Wolfram, was will der Künstler uns damit sagen?“
Zwar nicht hellauf begeistert von solcherlei Fragen, sah ich jedoch keinen gravierenden Anlass, mit meiner Einschätzung hinter dem Berg zu halten.
„Ich gehe davon aus, dass er überhaupt nichts sagen wollte. Sonst wäre er ja Schriftsteller geworden oder hätte zumindest einen Zettel beigelegt. Vielleicht hatte seine Frau zu viele Gurken bei SPAR gekauft und die Dinger lagen so auf dem Küchentisch rum. Bevor sie weggeschmissen werden, dachte er sich wohl, mache ich mal keinen Salat, sondern etwas richtig Provokantes, gleichzeitig Humorvolles und Einzigartiges draus. Wenn ich es der Stadt Wien auch noch verhökern kann, ist die Haushaltskasse für den nächsten Monat gefüllt.“
„Wolfram, es war ein Fehler von mir, dich in dieses Thema einzubeziehen. Tauche unter, du Flasche.“
Da mir ja die Zeit nicht gewährt wurde, meinen Ausführungen noch einen weiteren Satz anzuhängen, grapsche ich einfach jetzt nach der Gelegenheit.
Erwin Wurm nennt es ja die Modernistischen Gurken. Das Adjektiv modernistisch hat sich bekanntermaßen die Kirche bereits vor ewigen Zeiten unter den Nagel gerissen, um all das als neu oder gar als Reform zu verkaufen, dem jedoch nie eine Änderung widerfuhr. Außerhalb der kirchlichen Zwangsjacke spielte modernistisch nie eine wirkliche Rolle, außer man möchte etwas ganz und gar Unverändertes als die Erfindung der Moderne "verkaufen". Es ist ein sarkastischer Seitenhieb.
Anton Czlonka, der Mann fürs Grobe in Erwin Wurms Paradies des Schaffens, sieht das vollkommen richtig, wenn er sagt, dass man schließlich nicht alles verstehen muss, von dem andere behaupten, es sei Kunst.
So viel zu vier Gurken in Wien. :-)
Blühende Magnolien und Hasel sind auch schön für das Auge - doch treibt mir der Blick auf die Wettervorhersage (mit nächtlichen Minusgraden um die 5°) leichte Sorgenfalten auf die Stirn. Pfirsich und Mirabelle schlüpfen nämlich auch gerade ins Blütenkleid.
You are viewing a single comment's thread from:
Zurecht hast Du bemängelt, dass ich das Gurkenwerk nicht in seiner ganzen Pracht abgebildet habe, daher sei das hier nachgeholt:

Ich hatte mich nicht recht entscheiden können, welches der beiden Fotos ich verwenden sollte, letztlich hatte ich das andere gewählt, weil bei jenem die Secession etwas glücklicher getroffen war, ein Gebäude, das immerhin auch jedes Recht hat, fotografisch ins bestmögliche Licht gesetzt zu werden.
Was sich der Künstler dabei gedacht hat? Im Fall von Erwin Wurm glaube ich, dass er es einfach lustig findet, wenn andere seine Objekte als Kunst betrachten.
Das glaube ich eher nicht. Er weiß sehr genau seine Werke einzuschätzen – ist jedoch alles andere als unglücklich darüber, wenn seiner Kunst der Schalk und der Humor nicht abgesprochen werden können.
Vom schmalen Haus bis zu der Person, die die Welt verschluckt hat – ich finde es klasse!
als ich noch studierte (Jahrzehnte her) hatten wir solches aus Ton in Raku gebrannt und noch heiß in Wasser getaucht, als rauchende Hundstrümmerln dann in der Uni auf den Gängen verteilt.