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RE: C. HUMOR - Vom Leugnen ins Wissen und zurück zum Glauben.

in #corona5 years ago

Wesen

Können wir uns auf den Begriff "Lebensform" statt "Lebewesen" einigen? Eine Pflanze ist für mich z.B. auch kein Lebewesen, wohl aber eine Lebensform. Und die ist wesentlich höher entwickelt als ein Bakterium.
Können wir uns einigen auf
"Lebensform" = etwas, das am Leben ist
"Lebewesen" = etwas, das am Leben ist und zugleich über ein Bewusstsein verfügt
?

Nutzen und Feindseligkeit

Welchen (biologischen) Nutzen hat dies?

Jetzt wechsle ich einmal ins systemische Lager: Warum sollte alles einen Nutzen haben? Geschehen Dinge nicht auch durch Zufall, oder als Nebenprodukt, ohne dass ihnen unbedingt ein Sinn innewohnen muss?

Ich glaube das ist der Punkt in dem sich unsere Denkweise grundlegend unterscheidet: Ich denke eben nicht, dass alles einen Sinn/Nutzen hat. Prozesse können aufgrund von Naturgesetzen ablaufen, ohne auf ein bestimmtes Ziel hinzuarbeiten.

Wasser rinnt nach unten. Ja, in dem Bach leben Fische. Aber das ist nicht der Grund, weswegen es rinnt.

Der Nutzen der Reproduktion von DNA ist die Reproduktion der Zelle, die die dafür notwendige Maschinerie betreibt, so weit so gut. Ein Virus wird aber eher versehentlich mit reproduziert, weil die Zelle jede in ihr vorliegende DNA kopiert und nicht zwischen eigenem und viralem Erbgut differenzieren kann. Ich sehe da keinen Nutzen des Virus für die Zelle/ den Organismus, und ich sehe auch keine Notwendigkeit, einen Nutzen zu postulieren.
Der Virus ist. Und das reicht als Erklärung.

Wenn ein Weltbild vertreten ist, das tendenziell solches "Stören" als inakzeptabel ansieht, wenn die Umgebung und die Wirkungsfaktoren tendenziell als feindlich und negativ eingestuft werden, hast du im Ergebnis tendenziell eine angstfördernde -und teilweise sehr aggressive - Anschauung.

Erstens vertrete ich so ein Weltbild gar nicht. Es gibt einige wenige Mikroorganismen und Viren, die für uns gefährlich sind. Die Mehrheit ist harmlos (dem Immunsystem sei Dank).

Zweitens aber orte ich bei dir eine gewisse Romantisierung der Natur. Für alle Lebewesen außer dem Menschen in seiner fortgeschrittenen technologischen Entwicklungsstufe (sagen wir ab der Neuzeit?) ist das Leben ein ständiger Kampf ums Überleben. Ein fressen oder gefressen werden. Das Survival of the fittest, das die Evolution antreibt.

Das heißt natürlich, dass auf der einen Seite der Tod unweigerlich und natürlicherweise zum Kreislauf des Lebens gehört und so behandelt werden sollte, da stimme ich dir zu.
Das heißt aber auf der anderen Seite, dass das Individuum (nicht das Leben insgesamt!) auch von der Natur bedroht wird. Umgebung und Wirkungsfaktoren als tendenziell feindlich anzusehen, ist für mich keine Haltung, die erst in unserer Gesellschaft entwickelt wurde, sondern eine tief verankerte Grundannahme aller Lebewesen, die das Überleben in einer feindlichen Umgebung sichern soll. Eben der Überlebenstrieb.

Das nicht-Annehmen dieser natürlichen Haltung ist die zivilisatorische Leistung, die uns in der heutigen Gesellschaft Entspannung, Freizeit und Zerstreuung erst ermöglicht. Sie funktioniert aber auch nur innerhalb des von uns geschaffenen Systems - Wirst du in der Wildnis ausgesetzt, wird dir die Sorglosigkeit im Umgang mit anderen Lebensformen möglicherweise schnell zum Verhängnis.
Für Viren gilt dasselbe, bloß dass wir sie nicht unmittelbar wahrnehmen können, weswegen das Bedrohungsszenario abstrahiert wahrgenommen wird (oder eben auch nicht, je nach Person).

Zu deinen Fragen:

Wie erklärst du dir diese Theorie? Ist nicht etwas "Lebendes" aus etwas "Totem" entstanden?

Ja, das ist die derzeitig gültige Theorie. Interessanterweise ist der Punkt, den die Wissenschaft bisher nicht restlos klären konnte, genau die Frage, wo genau das Leben beginnt. Wie startet die selbstständige Replikation, die nach heutigem Wissensstand relativ komplexe Biomoleküle benötigt, die aber eigentlich nur von Lebensformen produziert werden können, die die Replikation schon beherrschen? Eine Henne-Ei Frage. Was war zuerst und wie kann das eine ohne das andere sein?
Viren sind einfach: RNA-Moleküle könnten theoretisch auch rein zufällig entstehen und zumindest kurzzeitig stabil sein. Aber eine Zelle, die Replikation, Transkription und vielleicht sogar Expression beherrscht? So viele hochkomplexe und hochfunktionale Biomolelüle zufällig entstanden und zufällig am selben Ort? Für nicht wenige Wissenschaftler öffnet sich an dieser Stelle das Tor zum Glauben.
Oder vielleicht so ausgedrückt, dass es zu unserem Grundthema passt: Es ist die gültige Theorie. Aber vor allem deshalb, weil wir innerhalb unseres Systems keine Alternative sehen.

Kann man dann diese beiden Termini als getrennt betrachten? Verschwimmt die Definition/Grenze nicht eher, wird unscharf?

Sie verschwimmt im Prinzip genau dort, worüber wir diskutieren: bei den Viren. An sich tote Biomoleküle, die aber von anderen Lebensformen repliziert werden. Alles darüber und alles darunter kann man denke ich schon recht scharf und getrennt (lebendig/tot) betrachten. Wobei die Definition des Begriffs "Leben" zwischen verschiedenen Disziplinen umstritten sind, da gebe ich dir teilweise Recht.

Punkt 2

lasse ich stehen. Gut, dass wir einen gemeinsamen Nenner gefunden haben.

Und die Diskussion über systemische Betrachtungsweise an sich gibt es dann wie gesagt unter dem anderen Post. ;-)

LG

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